Der „Thriller“ - ich werde Mike nicht gerecht, doch wie soll ich das Werk sonst bezeichnen? - ist keiner dieser langweiligen Ich-Romane, welche den Leser für so unselbständig halten, dass sie ihm niemals mehr Auslauf erlauben als einem Terrier auf einem Spaziergang durch das gepflegte Revier eines Londoner Parks mit Leinenpflicht. Mike wechselt die Schauplätze souverän, schickt seinen Helden auf Urlaub, gibt ihm die Chance zu verduften und nach einer Dienstreise oder einer Spritztour, die sich dem Leser bald als amüsant und erotisch, bald als mysteriös präsentiert, an einem anderen Ort aufzutauchen, wo Action das Eintreten einer entscheidenden Wende herbeizuführen verspricht, welche sich unterschwellig angekündigt hat.
Mike hatte einen Helden. Der ist aber nicht so eindeutig und mustergültig, wie man sich einen Helden wünscht. Ich spürte, als ich mich wegen der Streichungen mühsam in sein Manuskript einlas, dass die Anlage von Charakter und Handlung alles andere als simpel ist. Denn eigentlich gibt es zwei Helden: Mowles und Morton. Die Sache ist aber vertrackt. Ich benötigte eine Weile den Verdacht zu fassen, dass die beiden identisch sind. Es irritiert, dass der eine Dinge weiss und tut, von denen der andere keine Ahnung zu haben scheint und umgekehrt. Beide mit scheinbar unterschiedlichen Zielen an verschiedene Orte zu schicken könnte ein Trick sein, den Leser über die physische Identität des Doppelhelden im Unklaren zu lassen. Sicher ist dies allerdings nicht und das Fragment klärt den Leser über die Frage auch nicht auf. Allein die Tatsache, dass sich die Beziehungen, in welche Mowles und Morton eintreten, jeweils nachträglich als miteinander verknüpft erweisen, befestigt die Suggestion, dass es sich bei beiden um ein und dieselbe Person handelt.
Der eine der beiden ist wie Mike (Frieden seiner Seele!) Reporter, der andere ein Drogendealer, welcher ein Doppelleben als Agent eines privaten Geheimdienstes zu führen scheint. Als ob das eine nicht für sich allein schon gereicht hätte!
Nun gibt es in dieser durch die personale Perspektive mit auktorialen Einschlägen kompliziert gespaltenen Geschichte natürlich auch die Gegenfigur, den Gentleman-Verbrecher, den Drahtzieher hinter allem Bösen. Den Namenlosen: ER.
Ich wusste, welches reale Vorbild Mike gewählt hatte, um die widersprüchliche Identität des Gegenspielers zu kreieren. Denn ER war eine unserer gemeinsamen Chiffren dafür gewesen. Doch anders als im handelsüblichen Thriller ist dieser Antagonist nicht die unwidersprochene Verkörperung des Bösen, zu ungreifbar und unangreifbar bleibt er. Er steht eigentlich jenseits der Dialektik fast nur als Sinnbild für das vermutete Böse der Macht. Ich will der unbegründeten Assoziation vorbeugen, Mikes Roman erhalte durch diese Gestalt - gewollt oder nicht - einen Einschlag, welchen man in der englischen Literatur als „gothic“ bezeichnen würde. Unser „ER“ ist kein Frankenstein oder auch nur entfernt eine mysteriöse Figur dieser Art.
Auf den ersten Blick schien es mir im Übrigen völlig klar, dass Mike sich mit niemandem andern als dem Journalisten Mowles identifiziert, welchen der Leser spontan als den Helden betrachtet, weil er sich ihm als Sympathieträger anbietet. Doch dieser Aspekt entpuppt sich als komplizierter: Mowles übt nämlich seinen Job zur Tarnung seiner wahren Identität aus. Sein Journalisten-Ausweis ist nützlich, sich an bestimmten Orten Zutritt oder mit Personen Kontakt zu verschaffen, die er ausspioniert. In wessen Auftrag er dies tut, erfährt der Leser - soweit das Fragment uns durchblicken lässt - allerdings nie. Solange er während der Lektüre nicht in das Geheimnis der doppelten Identität eindringt, hat er diesbezüglich auch nicht die Chance einer Ahnung. Gibt der Held sich am Ende selber den Auftrag? Erfüllt er seine Aufgabe ganz auf sich selbst gestellt, mit seinem Antrieb aufs Äusserste einsam, mit welchem Ziel dann? Unbestreitbar ist Mowles Passion. Sein Interesse geht weit über die berufliche Neugier eines seriösen Journalisten hinaus. Und auch unendlich weit über das zersetzende Ziel eines Spions.
Doch ist da irritierend immer der andere, Morton, welcher schemenhafter als Mowles gezeichnet ist und der in der Regel punktuell und meist im kriminellen Umfeld auftritt. Puh! Das macht die Sache für den Leser mysteriös. Ich gestehe, es wurde mir während der Lektüre stellenweise mulmig. Ich kam lange schlicht nicht draus und erfasse den Zweck der Anlage bis heute nicht restlos. Gewiss ist aber: Mike spielt nicht mit dem Effekt. Sein Roman kippt auch nicht andeutungsweise in das erwähnte Genre, welches die Grenze des Sinnlichen gezielt und selbstverständlich ausser Kraft setzt.
Ich hatte das Manuskript im Winter, der sich als eine Art Drôle de Guerre vor der Katastrophe in meine Erinnerung eingrub, nach Brighton mitgenommen, wo ich während ein paar Urlaubstagen die Seeluft zu schnuppern Lust hatte. Ich sass an einem Wochenende zwischen Trendie- und Trödelbutiken in einem temperierten Wintergarten, welcher mit einer Cafébar und viktorianischem Plüsch ausgestattet war, und wendete die ungehefteten Blätter des über zweihundertfünfzig Seiten schweren Bündels. Die Clivien und Bromeliazeen verbreiteten eine subtropische Feuchtigkeit. Der Anblick einer kanarischen Dracaena erbaute mich, wenn ich während der Lesepausen die beschlagene Brille putzte und an einer Portion Schokolade nippte.
Als ich nach den ersten achtzig Seiten vom Treibhausklima genug hatte, steckte ich das Manuskript gerollt in die praktische Innentasche meines mit Rindsleder verstärkten Tweedcoats und brach zu einem Walk-Out entlang der Cliffs auf.
Die Seeluft entschlackte meine verkrusteten Nasenhöhlen und drang reinigend in meine Lungenflügel. Ich hörte das saugende Getöse der Brandung und das Mahlen der Kieselsteine, während in meinem Hirn ein Rockkonzert dröhnte. Ich gab es bald auf, den Maschinentakt der Kesselpauke, welcher den schleppenden Rhythmus der Wellen zerbrach, auszublenden. Ich stemmte mich gegen den steifen Südwestwind. Weil ich die Interferenzen zuliess, war ich nicht zermürbt, wenn das Geräusch des Meers mein Bewusstsein nicht wie im einsamen Sommer auf Moffen überrollte und in seinen Tanz hineinriss.
Als ich hungrig wurde, verschlug es mich auf den Palace-Pier. Eine Strassenband von Indie-Rappers mit aufgeplusterten Troop-Schuhen hatte sich auf die Planken verirrt. Ich erinnere mich an die Band, weil sie einen Knüller spielte, von dem Mike geschwärmt hatte, und weil nach ihrem Abzug auf dem Steg eine Schlägerei ausbrach. Nicht die Kämpfer, welche sich mit barfüssigen Karatesprüngen auf Brusthöhe übertrumpften, sondern der Haufen anfeuernder Zuschauer blockierte den Ausgang auf den Lido.
Als ich während dem theatralischen Klamauk zwischen den rivalisierenden Gruppen eine Tüte Fish und Chips kauend am Geländer lehnte und auf die Gischt hinunterblickte, stand in den Kieseln der kleine Mike an der Hand seiner Mutter. Sie beugte sich zu ihm herab. Deutlich sah ich die schlanken Fasanenfedern auf ihrem schwarzen Krempenhut. Beide blickten gegen die Sonne zum Pier hinauf. Ich war über meine Einbildung verblüfft.
Der Single-Room meines Bed & Breakfast-Hotels war mit viktorianischen Nippes ausgestattet. Die Bettdecke war schwer und mit üppigen Stickmustern und Bordüren dekoriert. Ich hatte sie zurückgeschlagen und las auf der durchgelegenen Matratze die Fortsetzung von Mikes Manuskript. An Schlaf war in dem überheizten Zimmer nicht zu denken. Es dämmerte schon, als der Roman befremdend abbrach. Ich legte die Lektüre auf den Nachttisch und dachte über die ungeschriebene Fortsetzung der Geschichte nach, in welcher sich eine greifbar gewordene Spur von Mike verlor.
Der folgende Tag war regnerisch. Nach dem morgendlichen Genuss von brutzelnd serviertem Egg and Bacon wäre Schmökern in der hauseigenen Bibliothek angesagt gewesen. Und dann: entspannende Lektüre im Armchair des Salons unter einem spätromantischen Seestück aus dem 19. Jahrhundert, durchbrochen von einem erfrischenden Schnupperlauf in der Brise und bereichert durch den Cognac zum Aufwärmen danach. Doch nach der durchwachten Nacht waren meine Sinne geschärft und ich verspürte alles andere als das Bedürfnis, mich an die wohlige Urlaubsträgheit auszuliefern. Mikes Spur hatte sich in meine Hirnwindungen eingebrannt. Die Frage nach dem Verhältnis zwischen Fiktion und Wahrheit lockte mich in ihr Netzwerk. Indizien eines realen Wegs durch eine fantastisch fremde Landschaft forderten meine konzentrierte Aufmerksamkeit.
Ich ging zum Pier hinaus und setzte mich auf einen Kautsch an der Fensterfront, dessen hartes Kunstleder mit schlecht vernarbten Messerstichen tätowiert war. (Es widerstrebt mir das Möbel eine Couch zu nennen.) Die Salzkruste auf dem Glas bot eine verschwommene Aussicht auf das wogende Meer. Wenn eine Bö anhaltend gegen die Scheiben drückte, raunte die Seeluft durch den bröckligen Fugenkitt, mit dem klaffende Ritzen vermacht waren. Ich hörte das Klicken der Billardkugeln und das Klingen der Spielautomaten hinter mir, während ich noch einmal die beiden letzten Kapitel des Manuskripts las.
Ich versenkte mich in die beklemmende und zugleich verwirrende Lektüre, horchte auf die Wörter hin und schaltete oft Pausen ein, um im Netz der Bezüge hinter dem gespaltenen Protagonisten Mikes Identität zu erspüren.
Im zweitletzten Kapitel mit dem Titel „Das Duell“ taucht die Figur des Nuklearphysikers Rob auf. Rob arbeitet für die Entwicklungsabteilung eines Konzerns. Für mich stand ausser Frage: es handelt sich um unseren Konzern. Mowles befreundet sich mit Rob. Im verstörenden Kapitel „Avonmouth“, mit welchem das Fragment nach wenigen Seiten in einem dramatischen Augenblick der Handlung abbricht, beobachtet Morton in seiner undurchschaubaren Rolle als Agent ein Treffen, bei dem Rob anwesend ist und Opfer eines Mordanschlags wird.
Das Ende des Romanfragments
Das Duell
In den Lanes von Mosside sammelten sich, den Brickmauern endloser Häuserzeilen entlang, alter Hausrat und der täglich in den Wohnungen anfallende Müll. Die illegalen Abfallhaufen wurden zerfleddert und zerfielen an ihren Rändern, während die Bewohner in ihrer Mitte neuen Abfall aufschippten. Die Jungen fischten heraus, was sie brauchen konnten, wenn sie in den Hinterhöfen Karts zusammenbauten, Hütten zimmerten oder irgendetwas noch halbwegs Funktionstüchtiges wie ein Bike oder einen Fernseher reparieren wollten. Sie trieben mit Material und Ersatzteilen auch einen lukrativen Handel. Hatte es geregnet, stapfte Mowles durch die Pfützen, in welchen vom Wind verwehte Reste von Lattenkisten und Pappschachteln, Zeitungspapier oder Kassettenbänder herumschwammen. Ob es geregnet hatte oder trocknete, ob der Wind durch die Lanes strich oder die Sonne das Gras zwischen den Kopfsteinen dörrte, immer roch es süsslich, stand oder wehte eine Geruchsmischung von Abfall-Moder und Malz aus der Brauerei des Distrikts in der Luft.
Wenn die Müllarbeiter von Manchester gerade nicht streikten und die Behörden sich einen Sanierungsantrag vom Hals schaffen mussten, dann wurden die Lanes gekehrt. Die Bewohner der Slums atmeten wieder einmal reine Luft. Unverfälscht drang der süssliche Malzduft bei Westwindwetter durch die undichten Fenster in die Häuser ein. Er hockte in der Stube. Dort mischte er sich mit dem Tabakgeruch und hockte in den Vorhängen, den Kleidern.
Gierig schnupperte Mowles sie jetzt, in der Gegend der Brauerei von Avonmouth, der Industriezone von Bristol, die süsslich-warme Luft, welche nach Malz roch und den Duft der Freiheit und des Abenteuers aus den Lanes von Mosside hertrug.
Im Mai hatte sich Mowles den Zutritt zu einer Demonstration hochgezüchteter Exoskelette verschafft. Er war als Ersatzmann für einen Kollegen nach Bristol gekommen. Der Beau mit der soignierten Silberwelle war einer der splendid dotierten Chefredaktoren bei WORLDS WEEK gewesen, bevor der Merger-Tycoon Marlock sie in die Mangel nahm. Den lästigen Karrieristen hatte er ausgestochen, indem er ihm seinen Tagesjob anbot: eine Klatschhochzeit. Das hatte geklappt, weil er vorgab, Helen Mirren und Vivienne Westwood, die Old Dames der internationalen Film- und Modebranche, wären als Gäste dabei. Helen hatte die Queen mimisch glanzvoll verkörpert und Vivienne die Sex Pistols, welche die Abschaffung der Monarchie gefordert hatten, modisch ausstaffiert. Beide waren für die Qualität ihrer Performance im höheren Alter geadelt worden. Sicher hätte keine der beiden sich für einen Anlass der Klatschpresse hergegeben. Doch Mowles hatte sein Ziel erreicht.
Der Superman wurde in einem Forschungslabor des Konzerns in Bristol entwickelt und in einer speziellen Halle vor Militärexperten und wenigen ausgewählten Fachjournalisten vorgeführt. Seine synthetischen Nano-Muskeln schnellten ihn elektronisch gesteuert über acht Meter hohe Hindernisse. Sie waren über die Bewegungen ihres Trägers mit dessen Willen gekoppelt, potenzierten seine physische Kraft aber um das Hundertfache. Maschinengewehrsalven prallten an seinem Panzer aus Kohlenstoffgewebe ab wie Späne.
Rob, der junge Forscher, welcher sich als Stuntman in die schlanke Dart-Vader-Karkasse schnallen liess, hatte Mowles ein Interview angeboten. Mowles hatte darauf versprochen, ihn mit aufgeklapptem Helmvisier auf die Titelseite ihres Magazins zu bringen. Rob fand jedoch, der Krieg sei nicht sexy. Auch hätte der Konzern kein Interesse an solcher Art von Publicity. Es war bloss ein Witz gewesen. Natürlich wurde daraus der vorgesehene Fachartikel für die Zeitschrift ARMS-INTELLIGENCE, welche derselbe Medienkonzern betreute, und Rob und Mowles freundeten sich an.
Rob war Kernphysiker und arbeitete für den Konzern in verschiedenen Bereichen der Entwicklung. Mowles reiste öfters an Wochenenden zu Segeltörns nach Bristol. Manchmal trafen sie sich in London. Rob war häufig für Tage, manchmal Wochen abwesend. Mowles fragte ihn nach der Rückkehr von einem mehrwöchigen Aufenthalt im Ausland, wohin er gereist sei. Rob antwortete lachend: Around the cliffs. Konkreten Fragen wich er aus.
Dass der Konzern unter anderem auch chemische Kampfstoffe entwickelte, gehörte zu den bestgehüteten Geheimnissen, über die jeder sprach. Drugs? sagte Rob. Ja, unser Körper produziert sie. Es ist jedem klar, dass wir über ihre Funktionsweise mehr erfahren wollen. Schliesslich geht es um uns und warum wir uns so oder anders verhalten.
In Polperro hatten sie einmal Crack aufgerissen. Als sie zwischen Lands End und den Islands of Scilly zurücksegelten, gerieten sie in eine starke Nordost-Strömung. Der Himmel war blau. Auch Robs Freundin Tara und ein Kollege waren an Bord. Die Jacht krängte und kam schwer voran. Die Inseln schienen am Horizont stehen zu bleiben. Der Kollege hatte das Steuer übernommen und Rob, der das Ruder schon seit einer Stunde gegen den Wind gestemmt hatte, lag auf dem Bug. Tara machte die Feststellung, dass sie wohl rückwärts auf die Scilly-Inseln zutrieben, sie vermute, dass es ihr Schicksal sei, an einem ihrer Riffe zu zerschellen, ob Rob das noch nicht gemerkt habe. Rob antwortete orakelhaft: Die Zeit ist ein Fluss, der uns mitreisst, aber wir sind der Fluss. Er streckte sich in der Sonne und lachte mit spöttischem Charme, wie er es immer tat, wenn er eine Frage nicht beantworten wollte.
Rob vertrat die Ansicht, dass der Forscher keine Chance habe, objektive Resultate über interaktive Prozesse zu generieren, wenn er sich nicht auf die subjektive Erfahrung einlasse. So sei es mit den Drogen. Er hatte rasch herausgefunden, dass Mowles sich profund in der Materie auskannte und anvertraute ihm, dass sie im Forschungszentrum im Selbstversuch mit Drogen experimentierten. Offenbar beabsichtigte er Mowles Erfahrung zu nutzen.
Mowles verschaffte Rob einen äusserst seltenen Pilz, dessen Namen und Rezept ihm ein walisischer Ethnobotaniker aus Lampeter verraten hatte. Der Mann hatte sich nach einer brillanten wissenschaftlichen Karriere nach Lampeter zurückgezogen und war eine Art von keltischem Guru für halluzinogene Gewächse geworden. Er hatte Mowles eingeschärft, die Formel genau einzuhalten, wenn er einerseits Risiken vermeiden, andererseits die einzigartige Wirkung erfahren wolle.
Mowles erklärte Rob, was ihn erwartete, falls er sich für den Trip entschied: Das Ich gleitet aus deinem Körper heraus und gleichzeitig - wie soll ich mich ausdrücken? - verselbständigt sich das Sehen und Fühlen. Du gerätst in einen beängstigenden Zustand. Das ist vorübergehend. Das heisst wohl: Du musst da hindurch, damit du über die Angst, nämlich dich aufzulösen, hinwegkommst. Doch dann zeigt sich dir die Wirklichkeit! Du hast sie so nie gesehen, durch die schärfste Optik, die man sich ausdenken kann. Paradox ist dabei: Alle Dinge - du merkst auf einmal, dass auch dein eigener Körper zu den Dingen gehört - sind vereinzelt, jeder Gegenstand erscheint dir für sich, in seiner absoluten Faktizität! Zugleich weißt du, spürst du, dass alles unerhört intensiv zusammenhängt.
Und das ist nun wunderbar, sagte Rob, und verzog dabei seine Mundwinkel. Nach einer Pause sagte er: Na, das ist der Kick, den ich suche. Er zog die Brauen hoch und sah Mowles über die Ränder seiner Sonnenbrille an: Zur Entwicklung eines für die Abwehr wirksamen Psychopharmakons, sagte er. Dabei schaute er von unten mit spöttisch prüfendem Blick wie einer, der einem begriffsstutzigen Menschen eine Anekdote erzählt und sagen will: Du hast die Pointe wohl nicht erfasst, oder doch?
Sie entschlossen sich die Droge gemeinsam zu testen. Du musst es entschieden wollen, hatte Mowles gesagt. Doch das war ein unnötig pädagogischer Wink. Mowles kapierte, dass es Rob überhaupt nicht um fachwissenschaftliche Erkenntnis ging, sondern um etwas anderes. Die Erfahrung selbst. Das Risiko. Den Blick über den Zaun oder durch den Spalt einer Türe, die sich nach links auftat. Würde er fragen, Rob würde darüber nicht reden wollen.
An einem Wochenende lagen sie auf der Terrasse von Robs Loft in Burnham on Sea und blickten über die gegen Abend spiegelnde Bridgewater Bay. Gegenüber war die grüne Küstenlinie von Cardiff auszumachen. Sie sahen einen Tanker und zwei Container-Frachter aus dem schwarzblauen Mouth of the Severn auslaufen und der Reihe nach im Platinspiegel untertauchen. Tara hatte sich den Nachmittag lang gebräunt. Sie trug lockere Panties und einen Turban aus lila Satin. Jetzt hatte sie den Turban aufgelöst um die Schultern gelegt und lachte über einen Witz Robs, während sie ihr aschblondes Haar zurückkämmte. Sie sprach ihr akademisches Englisch mit einem wohltuend warmen Cockney-Akzent. Ihre Ohrhänger schienen zu klingen. Es war die Stimmung, in der sie nichts und alles über sich zu wissen glaubten.
Die Wirkung kam schneller als erwartet, wie die Flut eines der kurzen walisischen Flüsse nach einem heftigen Gewitter über den Cambrian Mountains. Drüben hatten sie am späten Nachmittag Blitzserien beobachtet. Und Rob hatte gerade noch zu Tara hin geblödelt: Etwas wird dich jetzt in eine lila Katze verwandeln und wir fliegen krallenspreizend hinüber in die Psylocybin Fayre von Pontarfynach am schönen Afon Teifi, der in den Bergen von Mynydd Bach entspringt. Und Mowles spottete noch: Rob, Tara wird zuschauen, dass du nicht lustfauchend über das Terrassengeländer in den schönen Spiegel da unten springst. Da hatte ihn die Welle schon erfasst. Gerade wie ein angeschwollener Fluss einen selbstvergessenen Fischer.
Als beide nach etwa sieben Stunden angeschwemmt auf dem Strand lagen und die Lichter von der Küste über die Bay funkelten, und als sie aus dem türkisgrünen Schlick emporzukommen versuchten, aber die Tide immer wieder durch vagierende Kanäle in ihre Gehirne hineinspülte, da heulten die Boyen, weil eine Nebelzunge aus dem Mouth of the Severn in den Bristol Channel herausleckte. Tara hockte bis über die Knie in einen weiten Cardigan gehüllt mit angezogenen Beinen auf ihrem Posten und es duftete nach starkem Kaffee. Vom Player tönten gedämpft harfenbegleitete Choräle in den frühen Morgen hinaus.
Den Harmonien der ineinander verschlungenen Chorstimmen antwortete Mowles Vorstellung mit den irisierenden Farben endlosverschlungener Bänder.
Mowles war zusammen mit Rob und Tara und vielen anderen Menschen auf dem Mosaik gestanden, das sich schlangenartig wand und in ein gigantisches Reptil verwandelte. Waren sie geritten oder ritten sie noch und tanzten schwerelos auf den wunderbar - wunderbar klang Rob an seinem Ohr! - ineinander gekoppelten Schuppen des unter den Schritten elastisch nachgebenden Schlangenkörpers? Gewiss erinnerten ihn die Chorstimmen an die Passion des Tanzes. Das war bevor die Angst ihn gepackt hatte, weil das Ich sich von seinem Körper losreissen wollte und der Körper sich in einer Rossettiszene trauernd von ihm verabschiedete. Dann klaffte der Abgrund. Aus ihm erschien die Wirklichkeit, welche seinen Absturz auffing.
Das war also die absolute Wirklichkeit gewesen. Mowles hatte den Eindruck über den Dingen zu schweben und wusste sich gleichzeitig in ihrem innigen Zusammenhang aufgehoben. Jetzt, als sich die gälischen Chorharmonien aus dem Player und die aus der Erinnerung heraufwogenden Muster voneinander trennten, waren Mowles und Rob nicht fähig, sich gegenseitig zu beschreiben, was sie in jener Phase gesehen und gefühlt hatten. Nachdem Rob in kleinen Schlücken heissen Kaffee getrunken hatte, sagte er nicht mehr als einen Satz: Mowles, dein Pilz ist der mentale Mini-Nuke!
Mowles war es in diesem Augenblick, als ob er eine entscheidende Frage hätte stellen wollen, doch eine neue Welle stieg hoch und zersprengte Robs Kaffeetasse in tausend Schaumflocken, aus denen ein mit knalligen Werbeslogans gespritzter Rallye - aus was für einer Wüste! - heranbrauste. Rotglühende filigrane Gerippe staffelten sich über einem Schlund aus zyanblauem Sand.
Rob lud Mowles auf das kommende Wochenende zum Box-Training ein. Der Konzern unterhielt neben der Universität einen Campus mit einer Box-Arena und einem mit allen Finessen ausgestatteten Trainings-Center. Auf dem Gelände gab es ein attraktives Angebot an Wellness- und Fitnesseinrichtungen und Restaurants verschiedener Preisklasse. In einem Park stand etwas abgerückt ein aussen bestechend schlicht, innen komplex und kostbar gestalteter Kubus mit Ausstellungs- und Vortragssälen, welchen der Konzern für kulturelle Zwecke gestiftet hatte. Die Besucher schritten auf glänzenden Onyx-Fliesen durch die Korridore. Durch die Glaskonstruktion eines Verbindungstrakts gelangten sie über eine schwebende Brücke in die angeschlossene Bibliothek, deren Computerterminals die Studierenden mit der digitalisierten Weltbibliothek vernetzten. Das Ganze diente der Nachwuchsförderung und war selbstverständlich ein elementarer Baustein der Public-Relation-Strategie des Konzerns.
Rob spiesste die Euphemismen auf: Betrachten wir es rein funktionell! Der Konzern betreibt den Campus als Unternehmen zur Ausforschung der human resources und zur Kontrolle potentieller Anwärter auf Kaderpositionen. Du bist dir im Klaren darüber, dass dem Konzern weltweit über zweihunderttausend Arbeitsplätze zudienen. Wer nach oben kommt, muss sich durchsetzen. Eine homogene Führung ist entscheidend.
Seit Wochen kündigten Plakate und Medien den Match zwischen dem schwarzen Light-heavyweight-Champion Simpson und dem talentierten Aufsteiger Hogg an. Mit zugkräftigen Namen und Outstanding Events warb der Sponsor diskret für sich. Rob hatte zwei Plätze reserviert. Tara mutete sich solche atrocities nicht zu, sie sagte, man könne den Schmerz der Welt auf eine kultivierte Art ausstehen lernen.
Es war natürlich unmöglich, einfach ins Campusgelände hineinzuspazieren. Als sie mit ihren Sporttaschen die Ausweiskontrolle und die elektronische Schleuse passiert hatten, sagte Rob lachend:
Du musst entweder zur Firma gehören, Referent oder Mitglied eines der diversen Clubs oder Stipendiat sein. Oder du bist: Guest by appointment of an honorable member of the staff.
Bei diesem Satz schlug er sich mit einer verrenkten Geste der Hand in die Brust und fügte mit gespielter Langeweile bei:
Und du wirst auf dem Gelände noch mindestens fünf Mal gescannt. Ausserdem drehen die automatischen Kameras während unserem Aufenthalt aus allen schicken Perspektiven einen authentischen Film. Du könntest das immense Material, das sich da Tag für Tag ansammelt, zu einem Film-Comic zusammenschneiden. Rhythmisch durchkomponierte Sequenzen. Zum Beispiel das Spiel einer Glasdrehtüre mit den Passanten: pressant, locker, ziellos, in Gespräche verwickelt. Konservierte Augenblicke des Lebens life! Mit Kurzfilmen zwischen Werbespots könntest du ein Heidengeld machen. Doch über allen wunderbaren Augenblicken herrscht das Diktat der digitalen Stornierung - über f a s t allen. Vielleicht schaffen wir’s zu überleben, Mowles! Stell dir vor - und wie würden nie erfahren warum.
Den letzten Satz sprach Rob lachend. Als sie zwischen Akazien, in denen Grauschnäpper lockten, zum Sportpalast gingen, fuhr er fort:
Unsere Performance im Ring 19 der Trainingshalle wird selbstverständlich auch gefilmt. Auf Wunsch natürlich. Das Video wird uns gratis überlassen, zur mentalen Konditionierung. Metatraining heisst das im Fachjargon. Ich denke, wir verzichten auf die Dienstleistung, oder nicht? Uebrigens wird uns ein privater Coach zugewiesen.
Ueber eine Reihe senkrechter Stäbe glitt eine Laufschrift der Eingangsarkade entlang:
LEARNING IS THE PASSPORT TO ACCOMPLISHMENT / PAIN OPENS INTELLIGENCE OF BRAIN / LEARN MORE EARN MORE / TRAINING INSTEAD OF COMPLAINING / YOUR EFFORT DEMANDED ON THE COURSE TO NEW GLOBAL-SOCIAL HORIZONS.
Als Mowles einen Moment stehen blieb um die Wortkompositionen, welche von rechts auf dem Stabbildschirm heranfuhren, zu entziffern, sagte Rob spöttisch: Das verbale Bodybuilding! Die Slogans sind übrigens das Resultat eines laufenden Wettbewerbs unter den Stipendiaten. Preis: Der schwarze Jaguar Amazonas.
Mr.Sofft empfing Rob und seinen Gast hinter der Kontrolle. Glatzkopf und starker Nacken, aber locker, in weissem Dress. „Feel just at home!“ In der Garderobe ölten sie ihre Gelenke. Dann absolvierten sie im “Schuppen” am Punching- und Pointball technisches Arm- und Beintraining: Trippeln, Standbeinwechsel, Jab, Doppeljab.
In der Halle kämpften sie unter Mr. Soffts Monitoring eine Stunde nach Punkten im markierten Feld. Rob war ein Stilist. Er boxte defensiv, liess Mowles angreifen, wich tänzelnd zurück und hielt ihn mit der gestreckten Führhand auf Distanz. Pendelte er vor, duckte Mowles auf Halbdistanz ab, doch Rob wich pendelnd schneller zurück als seine Faust und hielt dabei den Rhythmus. Mowles Schlag ging ins Leere und er geriet aus dem Stand. Doch Rob nutzte seine Schwäche nicht. Er tat es einfach nicht, was Mowles irritierte. Er spürte, dass Rob ihm um mehr als eine Kategorie überlegen war, dennoch endeten sie punktgleich. Mowles wusste, Rob hatte das in der Hand, er beherrschte das Spiel.
Im Duschraum standen sie sich in zwei offenen Kabinen gegenüber unter den Düsen. Mowles massierte eben das Glanzshampoo in seine widerspenstigen irischen Locken und hatte die Augen zugekniffen, als Rob, der seinen Nacken vom sanften Jet besprühen liess, die erste Maxime der praktischen Vernunft zitierte: Mowles, ich soll kein Recht beanspruchen, das ich dem anderen nicht zugestehe. Stimmt das?
Mowles tastete nach dem Flacon und fragte zurück: Ist das ein Gesinnungstest?
Rob lachte: Wo auch? Nach dem Boxen habe ich einfach eine gepuschte Lust auf Dialektik. Also?
Mowles fächerte den Schaum zu einer Krone auf und liess sie alsbald von der Brause zerstäuben. Die Gischt ergoss sich über seinen von roten Spots übersäten Oberkörper. Na, vornehm, sagte er, aber ausgesprochen theoretisch. Denn: Meine Grosszügigkeit ist natürlich selbstmörderisch. Der andere wird sie missbrauchen, sobald die Gelegenheit günstig scheint.
Robs Triumph über seine Provokation war spürbar: Ein zwingendes Argument für den Präventivkrieg!
Mowles spürte, er hatte sich vorzeitig festgelegt, doch er blieb ruhig und hielt an der Konsequenz seiner These fest: Du denkst an die islamische Bombe. Das Allgemeininteresse diktiert im Fall der A-Waffe eine moralische Pflicht zur Schadensbegrenzung.
Also kein Recht zum Erstschlag?
Doch.
Kompliment! sagte Rob spitz. Bist du nicht prinzipiell der Ansicht, dass militärische Logik mit Moral nichts zu tun haben soll?
Moral steht gegen Moral, antwortete Mowles und blickte aus dem Dampf zu Rob hinüber, während dieser seinen Körper einseifte.
Rob rieb das grüne Gel über beide Arme und aufwärts über Schultern und Nacken: Du vermischst die Begriffe! Moral ist nicht spaltbar wie das Atom. Moral ist der Schluss aus einer Art von Vorwissen über die Trugschlüsse der Vernunft.
Uff! Der kalte Strahl verschlug Mowles den Atem, aber er sprühte auch seine Irritation weg. Durch Wechseldusche trieb er seinen Kreislauf an, dann ging er sich trocknen. Er hatte Hunger. Rob hatte einen Tisch im Kaderrestaurant reserviert.
Die Kontrolle war unauffällig, es reichte, dass Rob seine Karte zückte. Ein indischer Gerant im feinsten Cut führte sie sofort zu ihren Plätzen. Mowles war überrascht, wie schnell ihnen auf einen Fingerzeig des Inders ein athletischer Kellner, kaum hatten sie sich gesetzt, die Menukarte reichte. Das goldbronzene Licht regte den Appetit an wie die Farbe des Aperitifs, welcher in einem flachen Kelchglas ungefragt vor ihnen blinkte.
Die Intimität des Tisches und das noble Gedeck standen in einem sonderbaren Widerspruch zur Dimension des Lokals. Der Raum hatte die Grösse einer Autobahnraststätte. In seiner Mitte verlor sich ein rauchvernebelter Biertresen in der Tiefe. Der Rauch dieser Zone wurde von der Ventilation abgesogen. Die Luft im Umkreis war klar. Verschwindend klein reihten sich die Tische am untern Ende des Restaurants. Alle waren besetzt. Der heutige Grossanlass zog auch Zuschauer aus London nach Bristol. Als sich Mowles über den Luxus im Raststätten-Massstab verblüfft zeigte, sagte Rob trocken, die Firma plane ihre Investitionen interregional, und bemerkte fast beiläufig, die Reservation sei dem Sicherheitsdepartement unterstellt.
Sie hoben ihr Glas und schauten sich in die Augen. Als sie es absetzten, begann Mowles:
Weshalb hast du mich geschont? Du hättest mich nach Punkten bequem k.o. machen können. Du hast mich gepiesackt! Was mich betrifft, Rob, ich hätte die Herausforderung gewünscht, Nachsicht macht verletzlich.
Rob setzte wieder sein entwaffnendes Lachen auf:
Wir trainieren. Du bist impulsiv. Hätte ich dein irisches Temperament gereizt, dann hättest du mir draufgegeben.
Das war ein ironisches Understatement. Du hast mich gereizt, hätte er erwidern können. Doch Mowles wollte sich diesmal nicht einwickeln lassen, sondern argumentierte:
Ich lerne technisch nicht dazu, wenn ich nicht Schläge abwehren muss, weil sie schmerzen. Es sind die Schläge, welche die Einsicht konditionieren, dass der Angriff die beste Verteidigung ist. Wie lernt einer angreifen, wenn er nicht das vitale Bedürfnis dazu entwickelt?
Hast du nicht angegriffen? fragte Rob. Aber er wollte Mowles nicht demütigen und ersparte ihm die Verlegenheit der Antwort. Er stützte sich auf dem rechten Ellenbogen nach vorn, machte die Faust und spreizte den Daumen ab:
Das Erste, Mowles, was du lernen musst, ist Geduld. Das Zweite - er streckte den Zeigefinger: Beobachten. Was nützt es dich, wenn du nicht an mich herankommst? Also musst du die Technik entwickeln, mit der du es schaffst.
Und das dritte? Mowles Pupillen rückten zusammen. Er sagte: Es muss frustrierend sein, gegen einen unterlegenen Gegner zu spielen. Für mich, Rob, ist es demütigend, wenn du mir deine Ueberlegenheit durch Rücksichtnahme zu spüren gibst.
Doch Rob schüttelte behutsam den Kopf:
Mit deiner Angriffsenergie verrennst du dich. Das ist blinder Machismus. Spielen! Wer spielt, ist nie unterlegen. Er hält seine Optionen offen. Heute abend erlebst du’s. Da geht’s zwar um den Pokal und eine Menge Geld. Aber der Sieger gewinnt nach Punkten und nicht gegen die Regel. Es gibt die Ausnahme: Wenn Schiedsrichter und Publikum bestochen sind. Kommt leider häufig vor.
Ich befürchte du bist realitätsblind. Deine Ausnahme ist im Sport die Regel. Zumal die meisten Aufsteiger gedopt sind.
Was etwa den Schluss rechtfertigt, dass auch du dich dopst und den Sport kaputt machst? Mowles, ausserhalb des Rings triffst du auf den Gegner mit den Nano-Muskeln. Da bedeutet der erste Schlag: k.o.! Wenn du nicht s e h r trickreich bist oder den Super-Colt in deiner Strellson-Jacke stecken hast, lässt du dich besser nicht auf die Herausforderung ein. Das wäre nicht Feigheit, sondern - na, ich bin nicht Pädagoge! - vielleicht Schlauheit. Ein Tipp: Lass den Gegner nicht aus dem Auge. Du hast eine Chance - wenn du s p i e l s t !
Mowles hatte jetzt sein grinsendes Lockengesicht:
Die Superwaffe ist doch immer Zukunft und wieder Zukunft. Gedankenspielerei! Wenn es einmal so weit ist, dann trage ich ebenfalls Nano-Muskeln und Superman ist Jedermann.
Gut, Mowles. Nur übersiehst du: D a n n spielen wir auch, im Superring eben. Das Baughman-Boxen (merk dir den Begriff!) wird wie der Faustkampf heute ein Sport mit Regeln sein. Ausserhalb des Superrings trifft aber wieder nicht gleich auf gleich. Einer von zwei Gegnern hat die stärkere Waffe: die Laser-Pistole, die Elektronik-Kanone, die schlanke Mann-Rakete mit den Mini-Nukes! Deine Kampfmoral ist dämlich. Je verbissener du kämpfst, desto tödlicher setzt sich der Stärkere durch. k.o. heisst Finale - aus! Uebrigens: Zukunft? Ich verrate dir kein Betriebsgeheimnis. Schau mal genau hin!
Rob zeigte auf einen Kellner, der mit einem Turm Teller und fünf dampfenden Schüsseln vorbeiflitzte. Es war Mowles aufgefallen, dass die Kellner beim Zu- und Wegtragen der Gedecke und Gerichte ihre Arbeit mit blitzschnellen, gezielten Bewegungen durchführten und schwere Tablette mit spielerischer, wenn auch hektisch anmutender Wendigkeit durch die Korridore trugen.
Rob kommentierte: Das Personal dieses Lokals trägt primitive Exoskelette unter der schwarzen Uniform. Sie verstärken den Rücken und die Gelenke. Die Kellner sind zehn Stunden im Einsatz und fallen abends nicht vor Müdigkeit um! Die Sache ist zwar noch im Versuchsstadium, aber wir haben intern auch in der Produktion schon damit angefangen und werden in Zukunft Arbeitskräfte mit Baughman-Minimuskeln und Soldaten oder Bodyguards zusätzlich mit den verstärkten Sprunggelenken und kugelfesten Kohlenstoff-Gewebepanzern ausrüsten. Die militärische Variante kennst du von der Demonstration. Was du nicht weißt: Das Projekt ist umfassend und nennt sich Bodymobilisierung. Mit Information über die zivile Entwicklung ist der Konzern strikt zurückhaltend. Du denkst wohl, ich rede wie ein Firmenvertreter. Du hast recht, darum setze ich noch die Konkjunkturprognose drauf: Das Projekt hat, vorerst für Spezialsegmente, eine lukrative Zukunft. Die Konzern-Ingenieure kommen ganz professionell ins Schwärmen. Aber ich will dir noch etwas verraten: Die Einführung einer superathletischen Kategorie im Kampfsport ist in der Tat eingeplant. Jetzt hast du Stoff für ein SF-Magazin.
Robs Logik war unwiderstehlich. Ueber seine Enthüllungen war Mowles platt, machte sich aber zugleich klar, dass er über Andeutungen hinaus nichts erfuhr. Rob würde über Details nicht reden. Er würde sich niemals festlegen lassen: alle Optionen bleiben offen. Mowles schwieg. Er brach eine getoastete Semmel. Sie war knusprig, knackte in seiner Hand und zwischen seinen Zähnen. Die Ochsenschwanzsuppe mit Sherry, Paprika und Petersilienwurzel schmeckte delikat. War da nicht auch eine Spur Ingwer drin? Rob und Mowles löffelten die flüssige Energie nach dem Training mit doppeltem Genuss.
Il faut savourer l’occasion! sagte Mowles, der sich an eine Redensart seiner Mutter erinnerte. Wenn sein Vater am Samstag von der Schicht nach Hause kam, raunzte er manchmal: Es riecht sauer. Dann war klar, dass Mowles wieder einmal vergessen hatte, aus den Kaninchen-Kojen im Hof das von Kot und Pisse faulende Heu herauszurechen, die Krusten herauszukratzen und die Bretter zu schrubben. Er musste es am Sonntagmorgen tun. Alle paar Sonntage gab es in Saft geschmorten Hasenbraten. Für ein würziges Beefsteak reichte das Haushaltsgeld nur am May Day und am Boxing Day.
Die steil ansteigenden Zuschauerränge der Box-Arena waren gestossen voll. Im Eingangsbereich wimmelte es von Sicherheitspersonal, Organisatoren und Verbandsleuten. Das Management des Konzerns und die VIP’s unter den Gästen sassen unter Sonderschutz in der VIP-Loge an der Ring-Rampe.
Favorit war der Commonwealth-Champion Simpson. Sein Herausforderer Hogg war vorsichtig, wich in den ersten Runden aus und hielt mit flinker Beinarbeit Abstand von den Seilen. Beide Boxer testeten tänzelnd die Stärke des Gegners und gerieten sich wiederholt in den Clinch. In der achten Runde hatte Hoggs unberechenbare Linke den älteren Simpson durch einen Bluterguss am Auge geschwächt. Simpson schien durch die Ausweichtaktik Hoggs so sehr ermüdet, dass er schwer atmete. Jetzt riskierte Hogg durch eine Serie von Skorpiontanz-Attacken den Frontalangriff. Simpson hielt flach am Boden stehend die Mitte und teilte wuchtige Schläge aus, denen sich der kleinere Hogg blitzschnell seitlich abduckend entzog. In der elften Runde begann Hogg rollend zu kontern, dann duckte er flink nach vorn ab und landete eine Serie von Jabs wie eine gespannte Feder von unten. In der zwölften Runde ging Simpson in die Knie.
Der Zweikampf war ein Schulbeispiel. Begriffen? fragte Rob, als sie die Arena verliessen und zum Tresen gingen, um nach der Bruthitze in den überbuchten Rängen - auf den oberen Stehplätzen und im Parkett standen die Zuschauer wie Dörr-Heringe geschichtet - den Durst mit einem Stout zu löschen.
Mowles hatte genau hingesehen. Es gab keinen Zweifel. Zusammen mit zwei Gästen hatte E R , umringt von Bodyguards, in der Loge gesessen, hemdärmelig, mit offenem Kragen und einem grünen Augenschirm vor der Stirn, welcher die Scheinwerfer abblendete. Ohne die mit Muskeln vollgepackten dunkeln Vestons und die blauen Krawatten seiner Umgebung hätte er ihn kaum erkannt. Ultramarin war die Farbe des Konzerns. Die Farbe der Systeme, die Farbe der See und der Luft. Mowles wusste: E R war nicht nur der Herr der Boxringe, sondern finanzierte auch Clubkarrieren der Champion Leagues. Als damals der Dollar wegrutschte, überbot er einen Ölscheich und kaufte die Liverpool-Reds aus der Hand eines US-Investors zurück. Dass er auch Manchester United kontrollierte, war seit kurzem kein Geheimnis mehr. Mowles sprach Rob darauf an. Das war unverfänglich und brachte vielleicht mehr als wenn er tastend auf das Minenfeld undurchsichtiger Konzernaktivitäten vordrang.
Klar, die Clubs und Hooligan-Verbände fressen ihm aus der Hand, sagte Rob. Er steuert den Konzern und setzt im Sport die richtigen Leute ein. Heute ist Crouch Trainer der Reds. Pete Longleg, kennst du doch, den Star-Angreifer mit der grauen Wollmütze. Die trägt er immer noch, aber ultramarin. He’s tall, he’s red and his feet hang out his bed, haben die Livpul-Fans gesungen. Unter Crouch ist der Club Weltspitze. Ich bin Liverpoolian, aber ich singe nicht mehr mit wie damals, sondern frage mich: Was ist die Welt und wie viel Grösse erträgt sie. Was glaubst du?
Ich bin kein Philosoph, antwortete Mowles.
Rob sagte kopfschüttelnd, als ihnen der lärmige Dunst der Halle entgegenschlug: Die Welt scheint langmütig. Unser Problem ist, dass wir Grösse nicht berechnen können. Jemand hat uns das Mass geklaut und Statistik ist ein unzuverlässiger Ersatz. Tiere haben eine kollektive Vernunft, w i r nicht. Daher musst du clever sein, verdammt clever.
Ein schwarzer Junge polierte mit einem Lappen die Bierhahnen. Das Perusilber glänzte. Sie hatten zwei der hüfthohen Hocker okkupiert. Eine steife Schaumkrone stand auf dem Glas – sämig wie Schlagsahne! Die nach ihnen andrängenden Besucher drückten sich in die Zwischenräume und standen im Korridor. Eine Gruppe Londoner Börsenjobber in weissen Hemden versorgte sich am Stouthahnen. Sie hatten ihre dunkeln Vestons über die Schultern gehängt. Ihre Lungen hatten sie bis zum Abend wundgeschrien um die Devise zu bestätigen, dass die Börse immer Recht hat. Das Anfeuern in der Arena hatte sie entspannt. Jetzt krakeelten sie über das unerwartete Zustandekommen von Simpsons Niederlage und Hoggs Sieg, während rund herum andere lärmten. Mowles und Rob mussten nahe zusammenrücken, um sich zu verstehen.
Mowles hatte sein Problem seit dem Gespräch unter der Dusche in sich hineingefressen. Er zählte auf Robs argumentative Leidenschaft.
Rob, ich habe dir eine praktische Antwort auf deine Frage gegeben. Du bist d e i n e Antwort noch schuldig. Hat die islamische Grossmacht das Recht, über den vollständigen Brennkreislauf zu verfügen?
Klar hat sie das Recht! Etwa weniger als Indien, Israel?
Mowles sog einen Schluck Hopfen durch die Sahne und wischte sich mit dem Handrücken über die Oberlippe:
Dann ist der Präventivkrieg ein Verstoss gegen das Recht, welches Recht?
Rob präzisierte: Eindeutig ein Verstoss. Gegen die Rechtsordnung, das heisst gegen das Recht, das allen politischen Verträgen übergeordnet ist.
Wer ist in diesem Treffen Goliath? fragte Mowles gespannt.
In Robs Antwort lag kein Hauch von Zögern:
Jener Staat, der über die Bombe verfügt. Der Präventivkrieg ist übrigens nicht bloss ein Verstoss. Er ist ein Verbrechen. Die Mächtigen erfinden leider immer einen Grund dazu. Sie berufen sich dabei auf ein naturgegebenes Selbstverteidigungsrecht.
Mowles ahnte, dass er keine Schwäche Robs nutzte, wenn er jetzt seine entscheidende Frage stellte:
Nimm an, eine aggressive Macht hat den Non-Proliferationsvertrag unterzeichnet. Macht sich ein Staat oder eine Firma nicht strafbar, wenn er oder sie eben dieser Macht die zureichenden Mittel in die Hand spielt, welche sie in die Lage versetzen, ihren Brennstoffkreislauf zu schliessen und die Bombe zu bauen?
Rob blickte Mowles mit einem seiner sardonischen Augenblitze direkt ins Gesicht, doch sein Mund lachte versöhnlich:
Jetzt bist du’s, der sich verklausuliert ausdrückt. Was für eine syntaktische Verkrümmung! Diplomatie ist die Kunst, möglichst viel für sich herauszuholen und möglichst wenig herzugeben. Mowles, der Nonproliferations-Vertrag ist keine Rechtsordnung, sondern ein Sicherheitsabkommen, welches natürlich unterlaufen wird. Die Bedingungen stellen die Mächtigen. Und Unterzeichner sind alle Staaten, welche sich mit dem Anschluss einen Profit einhandeln. Uebrigens: Es gibt auch solche, die profitieren ohne zu unterzeichnen.
Mowles parierte Robs stilistische Fussnote nicht ungeschickt:
Diplomatie ist die Kunst präzisen Fragen auszuweichen und kein Wort zu verpfänden. Rob, du hast wieder bloss indirekt auf meine Frage geantwortet.
Ich und Winkelpässe? Okay, das Problem ist komplex, lenkte Rob ein. Ich kann’s auch direkter sagen: Einige, welche die Bombe haben, sind nicht angeschlossen und werden trotzdem mit Waffen und Komponenten zur Weiterentwicklung beliefert. Also: Wer einen Staat mit Waffen beliefert, begeht per se kein Verbrechen, sondern macht Politik oder ein gutes Geschäft - am besten beides. Du wirst diese These als korrekt befürworten, es sei denn, du betrachtest Politiker und Geschäftsleute als Verbrecher.
Mowles gab sich nicht zufrieden, auch wenn er jetzt wusste, worauf Robs Argument hinauslief:
Gilt die These auch dann, wenn der belieferte Staat Terroristen unterstützt, Vernichtung androht und Terrorismus praktiziert?
Ich d a c h t e doch, du wolltest deine Frage präzisieren, sagte Rob und erinnerte Mowles: Wir sind wieder bei der Geschichte von David und Goliath. Goliath schnauzt den Hirten an: Du hast eine Schleuder. Gib sie her, denn du willst mich mit einem Stein ins Auge treffen! David sagt: Ich brauche die Schleuder, um die Wölfe zu vertreiben. Goliath fackelt nicht lange, sondern greift nach seinem Speer und will zustossen. Wir wissen, wie die Geschichte ausgeht. Wer ist der Terrorist?
Nun sag erst: Welcher Staat ist jetzt Goliath in deiner Parabel?
Entscheide du!
Der Speer war die berühmte „smoking Gun“. Die Bombe haben beide.
Möglich. Und der kleinere von beiden hat einen grossen Verbündeten. Nun weißt du auch, wer ohne Zaudern den Stein schleudert. Zipp!
Es kommt doch auf den Moment an. Zwei Goliaths fordern sich heraus, aber die Gun des grossen Aufschneiders raucht ja noch nicht.
Eben. Zwölf Stunden Vorlaufzeit sind in der Weltgeschichte Bruchteile einer Sekunde. Verdammt wenig Zeit für Diplomatie im Ernstfall. Die Sache geht ins Auge!
Der Lärm in der Jobberrunde schwoll an. Ein Stockbroker setzt sich in Szene:
Heute Mittag hatte ich bei einer Vermittlung 1% Handgeld.
Wie gross war der Deal?
Ich habe natürlich ein Gentlement-Agreement. Doch wenn du fix bist, kannst du’s selber ausrechnen. Auf mein Konto spazierten 80'000 Pfund - in e i n e r Runde!
Wieviel kriegt Hogg?
Eine halbe Million. In 12 Runden. Kannst du rechnen?
Fag, du bist der Tages-Champion! Hat niemand bestritten.
Drei Runden Stout auf Fags Rechnung!
Finders fee! dozierte ein Kleinwüchsiger, dem ein Schaumschnauzer an der Oberlippe hing, mit überschnappender Fispelstimme: Würden wir nichts riskieren, wäre der Profit im Keller. Ergo! Kickbacks sind irreguläre Gebühren. G e b ü h r e n sag’ ich!
Nichts sonst.
Richtig, nichts umsonst! Das ist unser Service-Prinzip. Albion ist nicht Dschinnistan, wir haben unsere Prinzipien. Oder hast du je die Faust geöffnet, so halb, wie ein Invalider auf dem Sozialamt? Wenn’s draufankommt, strammst du sie doch!
Ja, mit der Faust halt ich’s wie mit dem Steifen: Rein!
Hooouw! Die Jobber brüllten, die Masskrüge knallten gegeneinander und die Bohlen wurden nass.
Mowles stellte keine weitere Frage. Er kannte Robs Antwort. Konkret war sie nicht und er erwartete nicht mehr.
Durchs geöffnete Wagenfenster drang mit der lauen Nachtluft auf einmal der süssliche Malzgeruch. Mowles Nasenflügel weiteten sich. Als sie die Highway-Einfahrt hochstiegen, überblickte er links wie Fussballfelder beleuchtete Lagerareale, Sperrzäune, Einfahrten, sah die ausgeworfene Netze der Scheinwerferketten, dann die Containerkrane, Piers und Docks des Hafens von Avonmouth. Er schaute auf das leuchtende Instrumentenfeld von Robs BMW. Der Touren-Tacho sprang hoch.
Der Konzern macht das Geschäft, begann Mowles, als sie in die Autobahn einspurten. Ihr liefert Komponenten zur Bombe der Mullahs!
Rob brachte den Wagen auf Hochtouren und hüpfte auf die Ueberholspur. Als die Lichter Bristols hinter ihnen verglommen, sagte er:
Es gibt Leute, Mowles, die ihren Einstieg in eine Sache damit rechtfertigen, dass sie sagen: Wenn w i r es nicht machen, dann machen andere das Geschäft. Das ist nicht unser Standpunkt!
Mowles wartete, doch Rob schwieg. Er liess eine Reihe schneller Kilometer verstreichen. Dann stellte er fest:
Du hast nichts bestritten, Rob.
Sie setzten über die Avon-Bridge bei Chippenham. An ihrem anderen Ende sagte Rob:
Es gibt entweder eine ungerechte nukleare Ordnung oder überhaupt keine Ordnung, Mowles. Oppenheimer soll gesagt haben: Wenn man etwas sieht, was technically sweet erscheint, dann packt man es an und macht die Sache. Ja, die Bombe ist sweet. Aber ich versichere dir, wenn der Konzern etwas macht, dann überlässt er die Nutzen-Schaden-Rechnung nicht dem Teufel.
Am nächsten Abend waren sie in Hampstead mit Tara verabredet. Sie wollten zusammen ins Theater. Tara machte dort trendige Mode für die linke Chickeria und Kostüme für die Bühne. Rob erschien unerwartet allein im Café. Er setzte sich und entschuldigte Tara. Darauf sagte er:
Das Stück ist über die Gewalt. Aber wir sind schon im Stück, es ist keine Unterhaltung, Mowles. Taras jüngerer Bruder war ein Player in Brixton. Er glaubte, er könne mit dem Kokain-Deal schnell zu Ehre und Geld kommen. Von Luxus hatte er wohl kaum einen Begriff. Gestern haben sie ihn niedergeknallt. Er war achtzehn. Ich fahre heute Nacht nach Brixton.
Das war kein Theatermord. Es war Alltag. Und es gab Menschen, die brauchten keine erbauliche Motivation, um ihr Gewissen gegen Abscheulichkeiten aufzurütteln, die täglich geschahen. Mowles hatte am folgenden Tag eine Verabredung in Manchester. Vielleicht, dachte er, vielleicht würde er diesmal seinen Vater in Sheffield besuchen. Er fragte sich nicht, weshalb er gerade jetzt daran dachte.
Gewalt ist Glamour, hörte er Rob sagen.
In der Glasfassade der lokalen City-Corps Bankfiliale auf der anderen Strassenseite spiegelte sich die Häuserzeile gegenüber. Die Abendsonne glühte in den Scheiben der Giebelgauben und brachte die weissen Winddielen und Fensterleisten und das warme Rot der Brickkamine zum Leuchten. Merry Victorian London. Ein Reflex lag auf dem glasierten Klinker des Cafés. Die Tische des Lokals waren rosa gedeckt und auf jedem stand in einer Stilvase eine Orchidee. Mowles sah das Unkraut zwischen den Pflastersteinen der Lanes von Mosside und die Reste verkohlter Abfallhaufen. PAKIES OUT hatten sie mit weissen Lettern an die Brickmauer ihres Hauses geschmiert, auf Augenhöhe über den verkalkenden Rändern der Wasserflecken. Sie waren keine Pakies gewesen. Mowles Vater war Ire, seine Mutter stammte aus der Normandie.
In Brixton ist eine Waffe billiger als ein Paar Turnschuhe - und schafft mehr Respekt, sagte Rob. Mowles, fuhr er fort, wenn du über die Ethno-Banden von Brixton recherchierst, riskierst du dein Leben im Prinzip für die gleiche Sache, wie wenn du in Bristol über War-Tech etwas mehr erfahren willst, als im Intelligence-Digest drin steht.
Mowles schaute auf: Also mehr als dem Konzern lieb ist. Ist das eine Warnung, Rob?
Rob sagte nur: Ich weiss, wovon ich rede.
Robs Stimme war bitter. Er tönte nicht wie einer, der sich auf seine Erfahrung etwas einbildet. Das Mädchen brachte den Espresso. Rob sah die Orchidee an. Sie war echt, wenn auch billig. Ihre rosa Blütenblätter waren rostrot gesprenkelt.
Ich glaubte einmal, die pflanzlichen Carnivoren gehörten zu den Orchideen, sagte Rob. Vielleicht verletze ich sie mit einem falschen Verdacht. Mowles, im Meer von Gewächsen, auf das ich zustürzte, vor einer Woche in in Burnham, sah ich die Blüten von Orchideen. Sie reckten ihre gespornten Kronblätter und die Schleimsäcke ihrer Pollen. Doch sie waren zart, nicht bedrohlich. Ich fühlte grossen Respekt und glaubte unendlich viel Zeit zu haben. Ich hätte keine Pflanze verletzen können.
Rob blickte eine Weile zur Glasfassade hinüber. Dann trank er seinen Espresso.
Ja, es war eine Warnung, sagte er. Dann stand er auf und gab Mowles einen Klaps auf die Schulter. In seinem Blick lag leise Trauer und Zuneigung, beides. Take care of you and good luck!
Während Rob am blanken Buffet zahlte, kam ein Safer Neighbourhood-Teamster herein. Ueber der Brusttasche seines schwarzen Jacketts war das rote City-Wappenkreuz mit den geflügelten Doggen aufgenäht. Aus seiner schwarzen Mappe zog er einen Stapel Blätter und verteilte sie auf die Tische. Die Mappe hatte er unter den rechten Arm gesteckt und befeuchtete bei jedem Blatt, das er ablegte, mit der Zunge den Daumen. Rob ging hinaus ohne zurückzublicken.
Mowles sah Rob im Spiegel der Glasfassade die Strasse heruntergehen. Er wusste, dass die Videokamera über der Bankfassade ihn im Blickfeld behielt, bis sie ihn bei der Underground-Station an die nächste im Eingang der Rolltreppe weitergab.
Er überflog das Informationsblatt, welches der Teamster neben seinem Bierglas abgelegt hatte. DOG CONTROL ORDER FOR HAMPSTEAD HEATH: PENALTY REGULATION, las er. Und darunter: Control of dogs is an increasing area of concern. Hunde bedrohten vor allem Kinder und ältere Personen. Und der Hundekot, las er weiter, sei ein massgeblicher Verursacher der Trinkwasser-Verunreinigung und vermindere auch die Diversität des Grasbewuchses der Parkwiesen.
Mowles war am Nachmittag über den Parliament-Hill gestrollt. Das Gras war gelb, weil es in London wochenlang nicht geregnet hatte. In London! Die Wolken flogen und die Kinder liessen ihre Drachen fliegen. Er hatte eigentlich den Friedhof aufsuchen wollen, weil er wusste, dass Karl Marx dort ein steinernes Monument hatte. Er hatte gehört, es sei nicht verbürgt, dass auch seine Knochen darunter lägen, nachdem man den Stein versetzt habe. Weil er den Friedhof nicht gefunden hatte (vielleicht hatte er ihn auch nicht wirklich finden wollen), hatte er sich in den Heath verirrt.
Zwischen rasch schwebenden Wolken und dürren Gräsern hatte Mowles an diesem Nachmittag die Leichtigkeit des Seins gespürt, fast genau wie an den Fabrikkanälen in Mosside, in denen sich die Wolken spiegelten. Damals: An ihren Ufern wuchs das Gras in den Himmel und die Kletten wucherten an den Stacheldrahtzäunen empor. Wollgras, Fuchsgras, Kerbel. Er roch den Kümmel. Die klebrigen Stengelblätter ritzten seine nackten Beine blutig.
Jetzt hatte sein Aufenthalt in Hampstead keinen Zweck mehr. Hatte er einen Zweck gehabt (vorausgesetzt er brauchte einen zu erfinden), dann vielleicht diesen: dass er sich an die Fabrikkanäle und die streunenden Hunde in den Lanes von Mosside erinnerte, wo die Hundescheisse und der Dreck verbrennender Abfälle keine Bürgerorganisationen auf den Plan gerufen hatte. In den Treppenhäusern der Blocks, wo seine Freunde wohnten, Deniz, Muhammad, Rider, da roch es sauer, nach Menschenpisse. Sie rissen die Bretterverschläge leerer Wohnlöcher auf und richteten ihr Quartier ein. Schleppten zerschlissene Fauteuils an und sogar einen Tresor, in welchem sie ihren „Treasure“ einschlossen. Da hatten sie ihre Boxen, den Verstärker, die elektronische Gittarre und das Schlagzeug. Der Reggae dröhnte durch den Beton, als die Raupenzahn-Bagger ganze Strassenzüge einzureissen begannen. Auf ihren Streifzügen fischten sie im Staub, wühlten in Hinterlassenschaften der Wegzüger.
Mosside oder Hulme, die Ansammlungen von Bricklanes, Blocks und Abrisszonen hatten für ihn damals weder einen Rand noch eine Geschichte. Es gab durchlöcherte Zäune, sie kannten die Durchschlüpfe, dahinter lagen Fabrikareale, Lagerhäuser. Die Keile der Ausfallstrassen durchschnitten die Wohnbezirke. Doch spätestens als er fünfzehn war, lernte Mowles, dass es zwischen den Blocks und Lanes unsichtbare Grenzen gab, tödliche: die Reviergrenzen der Banden.
Mowles wusste, dass die Brickmauern längst abgerissen waren. Er würde ohnehin nicht dorthin gehen wollen, wo seine Mutter morgenlang im Negligee für einen Billiganbieter namens Talk-Talk herumtelefonierte, um mit Kundenfang lumpige Pennies zu verdienen. Nur durch diesen Job waren sie überhaupt zu einem Telefonanschluss gekommen. Talk-Talk, Mowles Kopf war auf dieses Programm geschaltet, er hasste es und die Mutter trank, damit sie die Anrempeleien, die Flüche und schlüpfrigen Offerten der Angerufenen leichter ertrug. Mit dem Kleingeld kaufte sie sich beim Discounter etwas schäbigen Luxus. Und sie drückte ihm ein paar Pennies in die Hand, damit er wegging, sie bei einem pakistanischen Händler gegen Süssigkeiten eintauschte und fortblieb. Er blieb auch lieber draussen und trieb sich mit seinen Freunden in den Lanes herum, weil bestimmt wieder ein neuer Liebhaber bei der Mutter war, während der Vater in der Schicht arbeitete.
Die Mutter! Mowles sah sie vor dem Spiegel. Sie trug eine ärmellose schwarze Bluse mit einem durchbrochenen Blumenmuster und hatte einen Damenhut aufgesetzt. Sie drückte mit beiden Händen die steife Krempe hoch, deren Flechtmuster silberne Fäden durchzogen. Hellblaue Mäander umschlossen dunkelblaue und türkisgrüne Augen und in einer Masche am Kopfteil steckten drei Fasanenfedern. Sie beugte sich jetzt zum Spiegel vor und malte mit dem Goldstift ihre Lippen dunkelrot. Die Mutter mit dem bunten Hut im Spiegel erinnerte Mowles an die beiden Clowns vor dem Discounter. Die führten einen Krieg um einen ausgeflippten Hut. Jeder war total vernarrt, wenn es ihm glückte, den Hut aufzusetzen. Er stellte sich dann aufgeblasen vor den Spiegel und zog sein Maul schief, weil er merkte, dass der andere den Hut hinterlistig gegen seine Mütze ausgetauscht hatte. So ging es im Wechsel fort. Der Anblick der Mutter schien Mowles ziemlich verkehrt. Er war ihr einziger Zuhörer. Sie sagte zum Spiegel gewendet: Ich will zu diesem Hut einen Schmuck haben, ein Ohrgehänge mit türkisen Augen, die genau zur Farbe m e i n e r Augen passen. Ich habe sie vorgestern im Fenster des Juweliers an der Boltonstreet gesehen.
Mowles holte aus seinem Schrank die Büchse mit den Pennies, welche er während den Jahren nicht für Bonbons und Schokolade ausgegeben hatte, und ging hin, um sich den Schmuck im Schaufenster anzuschauen. In der Strasse vor dem Laden Sharifs war aber ein Auflauf von Leuten. Ein Toter lag vor der Tür, Polizisten mit Maschinenpistolen sicherten auf drei Seiten. Sie hatten ein rot-weisses Band über die Strasse gezogen und den Zugang gesperrt. Ein schwarzer Kommandowagen stand vor dem Laden und zwei Polizistinnen drängten die Zuschauer zurück, weil die Sirene den Krankenwagen ankündigte. Später führten zwei Detektive Sharif in Handschellen zum Kommandowagen.
Um die Ecke traf Mowles seine Freunde. Muammad, der dazukam, berichtete, was die Nachbarn erzählten: Der Tote, ein Pakistaner, der von den Ladenbesitzern Schutzgeld erpresste, habe von Sharif ein Ohrgehänge mit Diamanten gefordert. Der Schmuckhändler habe den Mann erschossen, als er den Laden verliess.
Mowles kam erst abends nach Hause. Er fand die Mutter schluchzend am Herd. Sie kochte Kartoffelsuppe und Nudelreste, aber Mowles ass allein am Tisch. Die Mutter legte sich auf das Bett, sie sagte ihm bloss, sie fühle sich heute unwohl. Während er seine Kartoffelsuppe löffelte, hörte er sie hinter der geschlossenen Türe des Schlafzimmers laut heulen.
Der Reflex der Sonne von der Häuserfront drüben war erloschen. Als die ersten Abendgäste kamen, verliess Mowles das Café. Er ging zur Underground und bestieg den Zug nach Kings Cross. Ueber die Tatsache, dass ihn der Journalistenausweis nicht schützte, war Mowles mit sich seit langer Zeit im Klaren. Dass er ihm aber für sein Ziel nicht mehr diente, begriff er in Hampstead. Er war zwecklos geworden, mehr, er war jetzt verfänglich. Der Code seines Journalistenausweises war in seine Iris eingebrannt.
Rob hatte seine Absicht von Anfang an durchschaut. Er hatte daher seine Äusserung auf dem Highway nicht als falsche Zudringlichkeit gedeutet, sondern als Mowles finalen Zug in ihrem Spiel. Mowles gestand sich ein: Robs Warnung war zwar ein Zeichen seiner Freundschaft. Doch in der Sache hatte Rob nichts preisgegeben. Sein Innerstes blieb ihm verschlossen. Mowles hatte das Duell verloren.
In Kings Cross bestieg er einen Spätzug nach Sheffield. Als er mit der Rolltreppe zum Bahnsteig hochfuhr, summte er, die Zungenspitze am Zahndamm, den Rhythmus eines Songs seiner Favourites. Es war das Stück, welches er am meisten liebte. Die Band hatte der Melodie einen einzigen Satz unterlegt, den er sich manchmal vorsagte, wenn er sich mit seinen nagenden Zweifeln allein fühlte: EVERYWHERE YOU GO, ALWAYS TAKE THE WEATHER WITH YOU.
Avonmouth
Das Meer sah er nicht, aber den Himmel. Der war über dem Horizont lila, aufsteigend purpurrot. Das käsige Gelb darüber erlosch. Er erfand die Farbe des Meers vor dem Anbruch der Nacht: das ins Purpur wechselnde Lila in seinem gekräuselten Spiegel.
Vor seinen Augen hatte er aber seit zwei, mehr, wohl drei Stunden die Fassade der Baracke. Er blickte auf seine Uhr. Die Leuchtziffern zeigten ihm jetzt die Zeit an. Genau. Sie hatten die Farbe des Scheinwerferlichts auf der Wand. Immer greller war dieses Licht geworden und hatte angefangen sich in seine Netzhaut zu brennen. Grünspan, Neongrün, vert. Er repetierte in seinem schmerzenden Kopf das französische Wort, welches die Farbe zum Tönen brachte: verdâtre. So.
Das Wort hatte sich eingeprägt, denn seine Mutter hatte es damals ausgesprochen. Verdâtre - l’oeuil du chat! Cat’s eye! rief sie, schnellte katzbucklig herum und packte ihn. Und während sie ihn mit beiden Armen an sich zog, sah Morton in die grünliche Iris ihrer aufgesperrten Augen.
Gegen den langsam ins Dunkle blauenden Himmel zeichneten sich die Streben und Kabel der Turmkrane ab, deren Ausleger die Fläche des Bauplatzes überspannten. Morton zählte mehr als zehn auf dem riesigen Baugelände und dazwischen ragten wie Giraffenhälse die geknickten Ausleger von einem halben Dutzend Kippdrehkranen in die hereinbrechende Nacht.
Scheinwerferpaare, welche auf halber Höhe der Krantürme montiert waren, gossen ihr Flutlicht über die Anlage. Er hockte im Schatten der Schwerölfässer, liess sich von ihm umarmen, wartete noch weitere zäh hinfliessende Stunden, bis zwei der Scheinwerfer hinter ihm plötzlich erloschen und die Baracke ins Dunkel tauchte.
Kurz darauf rollten die Lieferwagen im Leerlauf langsam vor die Baracke. Er hörte, wie die Handbremsen gezogen wurden, dreimal. Das Licht von Taschenlampen glitt über die Barackenwand und die Rolltüre wurde aufgeschoben. Er ahnte vor den huschenden Lichtkegeln die grauen Umrisse der Wagen. Die Leuchtziffern seiner Uhr zeigten jetzt ein Viertel nach zwei.
Vom Meer her wehte eine Brise. Das Frühlicht glänzte am Horizont wie Altsilber mit einem bronzenen Hauch. Es war lausekalt. Das Brackwasser war aufgewühlt, er hörte das heftige Plätschern an der Hafenmauer. Schräg vor ihm lag der japanische Frachter vertäut.
Er hatte das Risiko in Kauf genommen, dass er zwischen der Ausfallstrasse und der Hafenumzäunung durch das Visier einer Ueberwachungskamera gelaufen war. Er zog ein Sandwich aus der Tasche. Es war noch dunkel gewesen, als er es im Kiosk eines Jemeniten gekauft hatte. Zwei Töchter des Bärtigen, beide in blaue Burkas gehüllt, hatten ihn bedient. Er hatte an verstummte Nachtigallen gedacht. Umständlich riss er jetzt die Folie auf und begann mit der Miene eines harmlosen Frühstückers langsam Bissen um Bissen zu kauen. Dabei schaute er interessiert über das Hafengelände und die Frachter am Pier, welche unter den Scheinwerfern der Portaldrehkranen entladen oder beladen wurden.
Sie hatten das Buschwerk am Zaun übersehen. Er hatte es schon von der Strasse her ins Auge gefasst. Er erwartete, dass die Camions vom Haupteingang her vorfahren würden. Wenn sie vor dem japanischen Frachter, neben dem Container-Transporter beim Kran, anhielten, stand er in ihrem Blickwinkel. Er sagte zu sich: Du musst nur drei Schritte nach links in den Schatten des Gebüschs treten, dann sieht dich niemand von dort drüben. Im Büchsenlicht wirst du selbst zum Schatten. Du bist zwar vielleicht nicht unsichtbar für eines der wachsamen Augen, falls sie dich wirklich erfasst haben, aber du benimmst dich wie einer, der keine Arbeit hat und durch den Zaun zuschaut, wie das Hafenpersonal frühmorgens zupackt.
Die drei schwarzen Camions fuhren mit ziemlichem Tempo, als ob sie eine Verspätung einholen müssten, über den Pier und parkten nebeneinander beim Container-Transporter. Er trat aus dem Blickwinkel und hielt mit Kauen inne. Fünf Männer standen jetzt im Kreis vor der Führerkabine des Transporters. Zwei waren aus dem ersten Camion ausgestiegen, der LKW-Fahrer aus seiner Kabine. Von der Seilbrücke her war der Verlademeister des Schiffs mit einem Hafenbeamten, den er an seiner Uniform erkannte, dazugekommen.
Sie verhandelten eine Weile und tauschten die Papiere. Dann stiegen noch vier Männer aus den Camions und begannen ihre Ladung mit dem Kran des LKWs in einem der Container zu verstauen. Es waren etwa fünf Meter lange Kisten, er zählte über dreissig. Der Verlademeister und der Beamte entfernten sich wieder und der Container wurde an Bord des Frachters gehisst. Während die Männer schwarze Plastiksäcke aus einem zweiten Container mit der Rollplattform in die Camions verluden, parkte ein Personenwagen vor dem Transporter. Der Fahrer stieg aus und stand jetzt zusammen mit dem LKW-Fahrer im Gespräch vor der Kabine. Morton hatte seine Schoco-Coke ausgetrunken und warf die Plastikflasche ins Gebüsch. Es war heller geworden und er war nicht überrascht, als er den PKW-Fahrer identifizierte. Trotzdem trat er unwillkürlich noch zwei Schritte nach links, so dass er ganz im Schatten der Stauden stand. Die Wagentüren knallten zu, die drei Camions drehten und fuhren weg. Rob blieb mit dem LKW-Fahrer stehen.
Morton sah, wie Rob den Kopf schüttelte und der untersetzte Mann neben ihm mit abgespreizten Armen den Kopf in den Nacken warf und sich kehrte. Er zeigte lässig mit einem Wink über den Platz. Morton erkannte in der Richtung neben einem bulligen Laufkran eine dunkle Limousine. Er konnte sich nicht erklären, dass er sie zuvor nicht bemerkt hatte, obwohl sie näher stand als der Transporter.
Rasselnd knallten die Zugketten auf das Deck des Transporters.
Rob ging quer über den Platz auf die Limousine zu. Als er auf Mortons Höhe war, zögerte er eine Sekunde, dann drehte er sich blitzschnell und sah aus wie ein Kurzstreckenläufer, der aus der Startbeuge abhob. Aber er stürzte nicht in den Lauf, sondern überkugelte sich im automatischen Feuerstoss auf dem Asphalt.



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